Das Fokussieren auf das subjektive Empfinden und Bewusstsein eines individuellen Geistes beschreibt wohl am besten eines der definierenden Aspekte der modernistischen Novelle, das sowohl als Hauptthema innerhalb eines Romans, als auch als dominante Erzähltechnik beschrieben werden kann. William James stellte es zum ersten Mal vor, als eine Beschreibung in der Gedanken, Empfindungen, Erinnerungen, Assoziationen und Sinneseindrücke in der Ganzheit der Erfahrungen ausgedrückt werden. Dabei gibt es keine festen Bezugspunkte während des Erzählens, es ist ein wahrhaftiger Fluss oder Strom der Gedanken („stream of consciousness“), der oft durch die Charaktere eines Buches in Form eines inneren Monologs repräsentiert wird. Jede Art der Gedanken, egal ob hochgradig symbolisch und intellektuell wird, wie es in James Joyce’s A Portrait of the Artist as a Young Man der Fall ist oder in einer mehr alltäglichen, einfach nachvollziehenden Art und Weise wie in Virginia Woolf’s Mrs. Dalloway der Fall ist, wiedergegeben. Erstmals wird der Leser in der modernen Literatur mit der inneren und zugleich subjektiven Gefühlswelt eines Protagonisten konfrontiert und somit die Distanz zwischen Leser und Charakter bewusst verringert. Wir alle schwelgen in Gedanken, sprechen sie aber nicht immer aus. Diese teils trivialen Gedanken werden einfach mittels der „erlebten Rede“ Technik auf Papier gebracht und das Ergebnis spiegelt sich so wider: „„Gewiss hatte sie die Tür verschlossen und ihre Sportbekleidung eingepackt…“, „Aber ach! Es war zu spät…“ , „Hat sie wirklich ihre Sporttasche bereits im Auto..“, oder „Egal wie weit du raus gehst, du kommst immer zurück…Ich bin jetzt da angelangt wo ich vorher war, indem ich versucht habe Sachen so zu machen wie andere Leute..ist mir eigentlich auch egal“ oder wie in Gerhart Hauptmanns Roman Der Apostel: Eine Zigarre. Nein! Das ist es nicht. Trotzdem raucht er weiter, stöhnt, nimmt ein Buch und setzt sich zum Fenster. Eine Seite. Noch eine. Nein: er begreift nicht, was er liest. Ein Fiebern ist in ihm, eine Unruhe!
Undenkbar diese verkürzte Distanz und subjektive Wiedergabe während der viktorianischen Epoche oder in den Epochen zuvor. Hier wurde sich auf einen allwissenden Erzähler beschränkt, der die Charaktere vorstellt und beschreibt, nicht aber die komplexe Gedankenstruktur aufbricht und uns damit tiefere Einsicht in die Gefühlswelt der Figuren verweigert. Die erlebte Rede wird daher als bahnbrechendes stilistisches Mittel der modernen Literatur deklariert.
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